25.9.2017

 

Pflegemißbrauch

 

Fall 11

 

Aus aktuellem Anlaß muß Fall 11 den Fällen 9 und 10 vorgezogen werden.

„Da wird einem ja angst und bang“ sagte eine mitfühlende Frau, die Fall 11 live miterlebte.

 

 

Ich fahre in einem Bus der Linie 59A. Bei der Endstelle ist Fahrerwechsel und der eine Kollege bittet den anderen, er möge in der Wilhelmstraße einem männlichen Fahrgast beim Aussteigen helfen. Und so geschieht es auch. Auch ich versuche mitzuhelfen, aber der Fahrer hat das gut im Griff.

Dieser männliche Fahrgast hat eine große Gehhilfe und eine schwere Tasche. Sein linker Vorderfuß ist nicht vorhanden und der Stumpf dick mit weißem Verband umwickelt. Ein Schutz, um diesen weißen Verband vor Schmutz zu schützen, ist nicht vorhanden. Was, wenn es regnet? Und überhaupt!

 

Mir läßt das keine Ruhe, weil die Situation grotesk ist, der Mann ziemlich verloren herumsteht und hilflos in seinen großen und kleinen Papieren kramt.

Ich steige aus und frage ihn, ob ich helfen kann. Er antwortet in einer mir fremden Sprache und zeigt mir seine Papiere. Aus denen werde ich in der Schnelligkeit aber nicht schlau. Ich glaube nur, herauszuhören, daß er nach Hause will. Wo er zu Hause ist, kann ich nicht eruieren.

Wegen des bandagierten Stumpfes und der Nähe eines Orthopäden, lotse ich den Mann in diese Ordination.

 

Mit großer Bemühung, soweit dies die Ordinationszeit zuläßt, kommt man hier wenigstens so weit, zu wissen, daß der Mann erschöpft ist und eine Nacht wo unterkommen möchte. Was tun?

Ich rufe die Polizei und bitte um Hilfe.

 

Eine Polizistin und ein Polizist sind schnell zur Stelle und dann beginnt sich langsam die Situation aufzuhellen.

 

Die Geschichte ist die: Der Mann, Kosovare, wollte vom Kosovo nach den USA (dort wohnt er!) fliegen. Am Flughafen Schwechat ist er zusammengebrochen und ins Krankenhaus Mödling gebracht worden. Dort mußte ihm der linke Vorderfuß amputiert werden.

 

Wie lange sein Aufenthalt im Krankenhaus Mödling war, weiß ich nicht. Jedenfalls wurde er heute entlassen.

Meine Frage, warum ihn das Krankenhaus nicht mit der Rettung wohin bringen läßt, wurde beantwortet, daß die Rettung niemanden mehr wohin zurückbringt.

 

Nun konnte ich auch seine teils handschriftlichen Unterlagen deuten. Jemand hatte ihm aufgeschrieben. 59A Station Wilhelmstraße. Dann gabs da einen ÖBB-Ausdruck…

 

Ich nehme an, der Mann sollte SO zum Flughafen kommen, was ihm aber wegen Erschöpfung nicht möglich war. Und wenn er es geschafft hätte, hätten die ihn überhaupt SO mitfliegen lassen???

 

Die Polizisten versuchten einen Sozialdienst zu erreichen. Die machen aber um 15.00 Uhr Schluß…

 

Die Polizisten haben dann doch noch ein Lösung (hoffentlich) gefunden, denn diese Lösung sperrt erst um 19.00 Uhr auf.

 

Ein fremder behinderter Mann, in einer fremden Stadt in einem behinderten Land… 

 

Danke an die Polizei! :-) 

 

 

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